Frankfurter Schach
Stadtmeisterschaft 1936


Anfang April 1936 ging das Turnier um die Frankfurter Stadtmeisterschaft zu Ende, es wurde doppelrundig ausgetragen:

Endstand:

 1. Walter Jäger    14,5
 2. Benkner         12,5
 3. Dr.Thomae       10,0
 4. Rohs             8,0
 5. Ditter           7,0
 6. Dr.Bahrensfeld   5,5
 7. Friedrich Jung   5,5
 8. Eyink            5,0
 9. Butz             4,0
(1)
15.Runde: Walter Jäger - Dr.Thomae, 1 - 0
(5)
Um die Schachmeisterschaft
Jäger gegen Benkner stark im Vorteil

Eine dichtgedrängte Schar schachbegeisteter Zuschauer verfolgte am Dienstagabend die wichtige Partie Benkner – Jäger. Um auch denen, die sich nicht rechtzeitig einen Platz in der Nähe des abgesperrten Spieltisches gesichert hatten, ein Bild vom Partieverlauf zu geben, wurden am anderen Ende des Saales die Züge am Demonstrationsbrett nachgespielt. Nur ein Sieg konnte Benkner, der die weißen Steine führte, auf den ersten Platz bringen. Diesmal ging es aber anders als in der Vorrunde. Jäger verteidigte sich sorgfältig, aber nicht ängstlich gegen das Damenbauernspiel seines Gegners, der vielleicht etwas vorzeitig selbst zur Auflösung der Zentrumsspannung schritt. Drohungen und Gegendrohungen wechselten, zwar sah es so aus, als ob die schwarze Dame ungünstig postiert war, dafür gelang es Jäger aber, die weißen Steine zu fesseln und einen Springer günstig nach f4 zu führen. Dies ermöglichte ihm schließlich Damentausch, und Benkner gab notgedrungen einen Bauern auf. Im Endspiel vergrößerte Jäger geschickt seinen Vorteil und erreichte eine Abbruchstellung, in der er mit zwei Bauern mehr auf Gewinn stehen dürfte. Da er zudem noch eine weitere Partie zu spielen hat, während Benkner bei gleicher Punktzahl – von der Hängepartie abgesehen – schon sämtliche Partien hinter sich hat, steht der Endsieg Jägers bereits so gut wie fest.

Auch an den übrigen Brettern entwickelten sich lebhafte Kämpfe. Nach beiderseits zurückhaltend gespielter Eröffnung kam es in der Partie Eyink – Dr.Barensfeld zu einem interessanten Figurengefecht. Eyink hatte zwar im Verlauf zwei Bauern „ins Geschäft gesteckt“, stand dafür aber in Angriffsstellung. In den Verwicklungen des Mittelspiels war er in seinem Element, sein Gegner konnte entscheidenden Materialverlust nicht abwenden und musste im 25. Zug aufgeben. Das Spiel zeigte beiderseits hübsche Opferwendungen. - Dr. Thomae gewann schon bald nach der Eröffnung einen Bauern Ditters. Nach Abtausch verlor Ditter einen weiteren Bauern und im Endspiel die Partie. – Das Spiel Butz – Rohs wurde abgebrochen. Weiß ist mit einem Bauern im Vorteil, doch lässt sich über den Ausgang noch nichts Endgültiges sagen. Butz hat die Partie unternehmungslustig und gut behandelt, er hat im Verlauf des Turniers ersichtlich an Spielstärke gewonnen.

Die Hängepartien der 16. Runde: Benkner – Dr. Thomae, Eyink – Butz und Jung – Rohs ergaben sämtlich unentschieden.

Nächste und letzte Runde: Dienstag, 7.April. Es spielen: Dr.Barensfeld – Rohs, Dr. Thomae – Eyink, Jäger – Ditter, Butz – Jung. Benkner spielfrei.           mgm. (2)


In einem Vorbericht zu den Meisterschaften des Landesverbandes Mittelrhein, die unmittelbar an diese Frankfurter Schachmeisterschaft anschloss, findet sich noch in einem Absatz eine Nachlese zu den Leistungen der besten Spieler dieses Turnieres:

Große Schachturniere an Ostern
Im Palmengarten und auf dem Römer
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Für Frankfurt besonders interessant ist das erstmalige Auftreten Jägers, der auf Grund seines hervorragenden Spiels in der Frankfurter Meisterschaft zur ersten Klasse zugelassen wurde. Benkner, Titelinhaber 1934, wird alles daran setzen, nicht nur besser abzuschneiden als voriges Jahr in Wiesbaden, sondern auch ein im Verhältnis zu Jäger günstiges Ergebnis zu erreichen. Rohs hat sich, wie er uns versichert, vorgenommen, zielbewußter zu spielen als im Frankfurter Turnier. Dr. Thomae, Höchst, hat sich voriges Jahr gut gehalten, sein sicheres Positionsspiel wird ihm auch diesmal zustatten kommen.
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(3)
Schach-Vita Otto Benkner: 1936 Frankfurter Stadtmeisterschaft, 2.Platz (12½ aus 16) (4)
Quellen:
(1) Aus dem Archiv der Schachfreunde 1921 Frankfurt, gefunden von Reimer Theil
(2) Zeitungsausschnitt aus dem General-Anzeiger vom 3.April 1936, gefunden in den Magistratsakten S 8403 der Stadt Frankfurt, Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main
(3) Zeitungsausschnitt aus dem General-Anzeiger vom 7.April 1936, gefunden in den Magistratsakten S 8403 der Stadt Frankfurt, Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main
(4) Festschrift "50 Jahre Saarländischer SV", 1970, Schach-Lebenslauf Otto Benkner, S.16/17
(5) Nachruf auf Walter Jäger in der Hessen- Rochade, 14.Februar 1976, 10.Jg., S.16/17

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